Lovely Ritas

Und es vorwegzusagen: Ich habe nichts gegen Politessen. Auch nicht gegen Politessen der Hansestadt Lübeck. Selbst wenn sie sich in den fließenden Verkehr einmischen oder sich gar Polizeibefugnisse, über die sich ja gar nicht verfügen, geben - geschenkt.

Lovely Ritas

Lovely Ritas


Und es vorwegzusagen: Ich habe nichts gegen Politessen. Auch nicht gegen Politessen der Hansestadt Lübeck. Selbst wenn sie sich in den fließenden Verkehr einmischen oder sich gar Polizeibefugnisse, über die sich ja gar nicht verfügen, geben – geschenkt.

Viel schlimmer sind ja auch die Verbrecher, äh, Verkehrssünder. Der Pöbel, der im öffentlichen Raum seine Verkehrssünden nicht zugeben will, die Kunden, die unfreundlich sind und den Damen die Knöllchen hinterherwerfen. Am allerschlimmsten jedoch: diese unverbesserlichen Besserwisser, die auch noch diskutieren wollen. Die einfach meinen, mehr zu verstehen, als die Damen beim Ordnungsamt gelernt haben.

Übergriffe auf Angestellte der Stadt?

Schlimmer noch: Angeblich soll es Menschen geben, die diese freundlichen Damen der Stadt beschimpfen und Anstalten machen, handgreiflich zu werden. Ekelhaft. Und solche Fälle würden immer mehr zunehmen. Unglaublich! Deshalb erklärte sich eine der Damen bereit, mich mal unverbindlich auf einem ihrer Rundgänge durch ihren Stadtteil St.Lorenz-Nord mitzunehmen. Unter Protest der Kollegin, denn eigentlich dürfen die Damen so etwas überhaupt nicht. Rita (der Name wurde selbstverständlich aus Gründen des informellen Persönlichkeitsrechts geändert) setzte sich aber durch; schließlich bewegen wir uns im öffentlichen Raum und außerdem würde es doch nur um Beobachtungen gehen.
Wir schlenderten also die Katharinenstraße herunter und Rita erzählte, dass sie sich diesem Job eigentlich nur aus Zeitvertreib widmet, da siesich, selber bereits jenseits der 50 Lebensjahre, zu Hause eher überflüssig im Weg stehen würde. Ihr Mann sei ja außerdem auch noch beruflich aktiv, („im Baugewerbe, früher sagte man Vorarbeiter dazu“), was soll sie da den ganzen Tag? Essen kochen? Während also Rita auf hanseatisch-herzliche Art Einblicke in ihr Leben gab, bewies ihre eifrige Kollegin amtliche Hyperaktivität: Sie fotografierte und registrierte auf ihremErfassungsgerät alles, was der öffentliche Raum so an Falschparkern und sonstige widerrechtliche Verkehrsteilnehmer hergab. Ob Rita da nicht Bedenken kämen? Weil sie doch ihre Arbeitszeit mit solchen Plaudereien vertue? Ob es gar Quoten gäbe, die von den Damen zu erfüllen sind? Da wurde Ritas Kollegin hellhörig, denn das waren „interne Dinge“, über die keinesfalls Auskunft gegeben werden dürfte. Aha. Rita lachte aber und klopfte sich auf die Tasche ihrer dienstlich gelieferten Multifunktionsjacke – sie würde durchaus ihr Soll erfüllen und hätte noch, „keine Sorge“, genug in petto, um ihr städtisches Gehalt zu rechtfertigen.


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Trauer ist freiwillig!

Mittlerweile waren wir am Steinrader Weg, direkt hinter der Sankt-Lorenz-Kirche. Bisher ohne besondere Vorkommnisse seitens der Verkehrsteilnehmer, „irgendwie ja auch ´ne Unverschämtheit“. Als wir dann bereits ein Stückchen hinter der Kirche waren, wurde Rita dann aktiver. „So!“, sie kramte in ihrer Jackentasche herum und zog einen Teil der Lokalzeitung heraus, „die Sonntagsausgabe“, wie sie grinsend erläuterte. Dann schlug sie die Traueranzeigen auf und schmökerte mithilfe des Zeigefingers die Annoncen. „Da – wusste ich es doch!“. Und was Rita mit dann erklärte, machte mich tatsächlich minutenlang sprachlos.
Rita prüfte die Daten die angekündigten Trauerfeiern. Falls gerade jetzt eine solche Veranstaltung stattfand, nahm sie den Umweg zum Nebeneingang des Friedhofes in Kauf. Denn dort parkten, so erläuterte Rita triumphierend, aus Ermangelung öffentlichen Parkraums genug Fahrzeuge von Trauernden. Die wären ja förmlich gezwungen, irgendwo zu parken! Ein lohnenswertes Geschäft – dass müsste ich doch zugeben!
Ja … sicher … Aber … ist das nicht doch etwas pietätlos, einfach gezielt bei einer Trauergemeinde abzukassieren …?
Nun ja – und damit mischte sich wieder Ritas Kollegin ein – man darf da nicht so zimperlich sein. Schließlich wurde da ja nicht grundlos vor dem Friedhof ein Parkverbot eingerichtet.
Und außerdem: Niemand sei doch zum Trauern gezwungen? Ist doch eine freiwillige Angelegenheit? Und außerdem, warf Rita jetzt wieder ein, müsste man so eine Trauerfeier ja auch erst mal sacken lassen – da würde so ein Strafzettel doch überhaupt nicht ins Gewicht fallen.
Oder?

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