Demokratisierung eines Prestigeobjektes

Das Lübecker Hansemuseum demokratisiert sich selbst. Mit einer durchaus passablen Nutzung. Dennoch darf nicht vergessen werden, wie dieses Gebäude entstand. Die Forderung, in Lübeck. Endlich ein "hansewürdiges" Museum zu etablieren, stand hinter dem Bedürfnis, mit historischen Klischees touristische Bedürfnisse zu befriedigen.

Demokratisierung eines Prestigeobjektes

Das Lübecker Hansemuseum demokratisiert sich selbst. Mit einer durchaus passablen Nutzung. Dennoch darf nicht vergessen werden, wie dieses Gebäude entstand. Die Forderung, in Lübeck „endlich“ ein „hansewürdiges“ Museum zu etablieren, stand hinter dem Bedürfnis, mit historischen Klischees touristische Bedürfnisse zu befriedigen.

Deutlich wurde das Konzept des „europäischen Hansemuseums“ mit der Gestaltung der Eintrittspreise, die sich im Niveau durchaus mit denen mitteleuropäischer Freizeitparks messen lassen. Aus gutem Grund: Schliesslich wurde der Luxusbau an der Untertrave nicht für das profane Bildungsbürgertum eröffnet, sondern zur Befriedigung touristischer Zielgruppen. Das Hansemuseum sollte in etwa DAS werden, was Madame Tussauds für die London-Besucher ist. Zumindest mit dem Eintritt wurde ein vergleichbares Niveau erreicht…

Weit gefehlt

Doch das wurde es leider nicht. Nach dem Kredit, den Neueröffnungen gewöhnlich beim Publikum in den ersten Wochen haben, verebbte das Interesse. Und die Einnahmen aus Eintrittsgeldern. Aus Gründen.
Doch am heutigen Sonntag wird korrigiert!
Anläßlich des 40. Internationalen Museumstag soll nun als erstes der Eintrittspreis der neuen Zielgruppe angepasst werden. Von 10.00 bis 18.00 Uhr gilt dort die Aktion „Pay what you want„. Auf deutsch ist damit gemeint, dass Besucher in dieser Zeit genau das zahlen dürfen, was ihnen das Haus Wert ist. Ob der selbstgewählte Eintritt heute VOR oder NACH dem Museumsbesuch entrichtet werden muss, ist nicht bekannt.

Richtwert für Nicht-Touristen?

Lübecker Kulturkenner munkeln, dass es sich dabei um eine statistische Annäherung eines realistischen Eintrittspreises handeln soll. Die Gesamtsumme der heute tatsächlich eingenommenen „freiwilligen“ Gelder, geteilt durch die Anzahl der Besucher, soll als Sockelbetrag des künftigen Eintritts dienen. Eine Art Richtwert dessen, was das profane Volk tatsächlich bereit ist, für den Museumsbesuch an der Untertrave zu zahlen.

Kritiker hingegen verweisen dieses Gerücht jedoch in das Reich lübscher Sagen und Märchen: Die Kulturorganisation der Stadt wäre keineswegs auf den Pöbel angewiesen und somit auch nicht auf eine Neuausrichtung des Eintritts. Schliesslich sind Menschen, die weite Wege für die imaginäre Spurensuche der Hanse sowie der Schriftstellerbrüder Heinrich und Thomas Mann auf sich nehmen, wesentlich wertvoller als nörgelnde Bürger, die lediglich zufällig in dieser Stadt geboren sind.

Diese Menschen sind natürlich trotz pöbelhafter Mentalität wertvoll – aber eben nur als Steuerzahler, weniger als Museumsbesucher. Und Steuerzahler wird dieses Haus sicherlich irgendwann einmal wieder nötiger haben, als Touristen – Aber auch das können natürlich nur nörgelige Kulturpopulisten sagen…

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