Kutschen statt Autos!

Die Lübecker dürfen sich wirklich freuen und glücklich schätzen: die Bürgerbüros sollen wieder flächendeckend geöffnet werden - dank des neuen Bürgermeisters. Digitalisierung? Kompliziertes Teufelszeug! In Lübeck will man sowieso lieber Kutschen, anstatt Autos...

Kutschen statt Autos!

Chaos und Konfusion in der deutschen Bundespolitik. Keiner weiß, wer soll – niemand will – doch irgendjemand muß. Anders in der ehrwürdigen Hansestadt Lübeck; einem kleinen Stück Deutschland im Norden, daß immer schon etwas anders als der große Rest war. In Lübeck wurde ein Bürgermeister gewählt, der Hilfe aus der größten Not der Lübecker versprochen hat.

Die Lübecker dürfen sich wirklich freuen und glücklich schätzen: die Bürgerbüros sollen wieder flächendeckend geöffnet werden – dank des neuen Bürgermeisters. Digitalisierung? Kompliziertes Teufelszeug! In Lübeck will man sowieso lieber Kutschen, anstatt Autos…

Bürgerbüros sind Zweigstellen der Ordnungsämter, in denen die Bewohner der Stadtteile und Quartiere ihre amtlichen Formalitäten, wie An- und Ummeldungen, die Beantragung von Ausweisen usw., erledigen können, ohne dafür die zentralen Ämter aufsuchen zu müssen. Ein durchschnittlicher Bundesbürger besucht etwa ein, höchstens zweimal jährlich so ein Amt. Nicht so die Lübecker – hier scheinen sich bestimmte Personengruppen täglich in den Bürgerbüros aufzuhalten.

Irgendwann vor einigen Jahren entdeckte Verwaltung, Bürgermeister und Bürgerschaft diese Bürgerbüros als enormen Kostenfaktor. Aufgrund der tatsächlichen Notwendigkeit dieser Stellen und im Zuge der zeitgemässen Digitalisierung überlegte man, diese Außenstellen zu schliessen: Wer sich ummelden musste oder seinen Pass verlängern wollte, sollte sich gefälligst in die Innenstadt bequemen. Bestimmten Bürgern gefiel dies, da dadurch ja wieder ein Grund zum meckern vorhanden war. Insbesondere ältere Herrschaften aus dem rund 25 Kilometer entfernten Travemünde fanden es unerhört, einmal im Jahr nach Lübeck fahren zu müssen.

Da in Lübeck aber aufgrund von Unwissenheit, Unfähigkeit und vielfältiger Verfilzungen eine Digitalisierung überhaupt nicht angestrebt wird, entdeckte der SPD-Bürgermeisterkandidat Jan Lindenau die Bürgerbüros für seinen Wahlkampf. Den er jetzt in der Stichwahl gewann – offensichtlich, wenn man den Weisagungen seiner Unterstützer glauben muss, aufgrund seiner Versprechungen, jene städtischen Filialen wieder öffnen zu wollen.

Ein Schritt zurück in die Vergangenheit.

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